Tag der Fechtkunst 2021

Sonnenschein, klirrende Eisen, Techniken verschiedener Fechtschulen und genügend Zeit und Gegner, um diese zu testen - das konnten wir auch 2021 wieder an unserem 9. Tag der Klassischen Fechtkunst in Passau bieten! Bei bestem Wetter luden wir am Samstag, den 10. Juli zum Fechten, wie man es sich intuitiv vorstellt: Als wären die Waffen scharf und spitz, mit Fechtweisen und natürlich auch Fechtwaffen vor 1900. Für den Seminarteil konnten wir mit 3 Fechtlehrern ein abwechslungsreiches Programm bieten. Tobias Zimmermann vom "Fechtboden Zimmermann" präsentierte Finten der kreussler'schen Schule, und gab damit Einblicke in eine Fechtschule, wie sie heute kaum noch gefunden wird. Bei unserem Trainer Christian konnten Interessenten über den Cartoccio nach Rosaroll Scorza & Grisetti (1803) lernen - eine (Gegen-)angriffsaktion, die sich über das Rapierfechten bis ins frühe 19. Jh. gehalten hatte, und nur wenige Jahrzehnte später praktisch in Vergessenheit geriet. Richtig viel vorgenommen hatte sich unser Meister Sigi, der in einem Zug Reprise, Rimesse, Raddoppio und das Redoublement vorstellte.



Über zu wenig Inspiration für die nächsten Gefechte konnte sich damit wirklich niemand beschweren, und die Diskussionen über die Techniken sorgten zuverlässig dafür, dass die 30-Minuten-Lektionen sich 45-Minuten-Lektionen näherten. Zum Glück wurde zwischen den Seminaren Kaffee gereicht, um den Kopf wach und aufnahmefähig zu halten.


Die "Passauer Duelltage"

Zwei Fechter proben einen neuen Angriff
Die Techniken werden heiß diskutiert...

Wer und Passauer kennt, der weiß, dass wir auch bei unseren Seminaren auf ein gewisses Ambiente Wert legen. Die Wahl, die Mittagspause auf das nahe gelegene Hotelrestaurant "Waldschloss" zu legen, lag also mehr als Nahe. So gestärkt ging es dann an den zweiten Teil des Tages: Den Freigefechten und nachgestellten Duellen. Vor allem letztere sind eine Besonderheit in Deutschland, und manch ein Fechter bezeichnet den Tag der Fechtkunst gerne mal als die "Passauer Duelltage" ;-).


Und das zurecht! In den nachgestellten Duellen geht es um mehr, als nur den Gegner zu treffen und selbst der Spitze zu entgehen. Hier werden die Bedingungen des Gefechts mit Sekundanten nachgestellt. Vor dem Gefecht steht ein historisch korrekter Gruß der königlich sächsischen Infanterie, und das Gefecht selbst geht auf einen einzigen Treffer! Die Gefechte selbst ermöglichen es den Fechtern, das Gefecht in all seinen taktischen Facetten zu bestreiten. Ist man im eigenen Verein an seine Gegner gewohnt und kennt ihre Stärken und Schwächen, muss man hier stets von 0 anfangen. Wie steht mein Gegner vor mir? Wie reagiert er, wenn ich seine Klinge binde, zur Seite schlage, angreife? Muss ich mich vor Gegenangriffen in Acht nehmen? Oder entdecke ich einen Fehler, den ich ausnutzen kann? Es ist nicht ungewöhnlich, dass das Gefecht mehrere Minuten dauert - selbst, wenn nur auf einen Treffer gefochten wird!



Ist dem Fechtdrang genüge getan, ist der Kopf gut gefüllt mit neuen Fechtideen und der Fechtarm wird schon langsam schwer, dann fehlt nur noch eins, um den Tag der Fechtkunst gelungen abzuschließen: Ein gemeinsames Abendessen in der bekannten Heilig Geist Stiftschänke in Passau, bei dem selbstverständlich auch die Fortsetzung der fechterischen Diskussionen nicht zu kurz kommt.


Wir freuen uns, euch auch 2022 wieder auf das ein oder andere Duell in Passau begrüßen zu dürfen!


Vielen Dank - wir freuen uns über Dein Interesse!