Die Wettkampfstruktur

Klassisches Fechten

Der klassische Fechter hat den Ernstfall mit scharfen und spitzen Waffen im Hinterkopf. Für ihn ist es erste Priorität, selbst nicht getroffen zu werden. Gefochten wird nach dem Ehrenprinzip. Jeder Fechter gibt seine erhaltenen Treffer ehrlich zu. Was folgt ist ein Auszug aus unseren Regeln fürs Freigefecht.

Degen

Der Degen ist eine primäre Stoßwaffe, je nach Modell und Vereinbarung sind jedoch auch Hiebe möglich. Gezählt werden Treffer, die sich sichtbar biegen oder als Treffer wahrnehmbar sind. Doppeltreffer sind all jede, bei denen beide Fechter getroffen werden - unabhängig davon wie viele Millisekunden sie auseinander sind. Ein Doppeltreffer zählt für beide Fechter als Verlust, denn dies wäre bei scharfen Waffen fatal.

Florett

Das Florett ist eine leichte Übungswaffe für den Degen, sie unterscheidet sich nicht in der Handhabung und den Regeln vom Degen. Florette sind reine Übungswaffen und werden nicht für das nachgestellte Duell verwendet.

Kampfplatz
Der Kampfplatz ist entweder durch räumliche Gegebenheiten, oder durch Vereinbarungen zwischen den Kontrahenten begrenzt. Gefochten wird ohne Elektronik, dafür aber nach dem Ehrenprinzip: Der einzige, der einen Treffer verbindlich zugibt, ist der getroffene Fechter. Es kommt sogar vor, dass ein Treffer von dem Fechter, der ihn gesetzt hat, abgelehnt wird, wenn er überzeugt ist, dass es sich um einen falschen Eindruck handelt (z.B. weil sich die Klinge in der Kleidung verfangen hat). Diesen Grad an Ehrlichkeit findet man im Sport heute nur noch selten. Jeder Fechter verfügt über einen Sekundanten, der ihn im Zweifel über die Gültigkeit des Treffers berät, sowie einen Obmann, der die Sicherheit des Gefechts garantiert. Einen Gewinner nach Punkten gibt es nicht - es wird auf einen einzigen Treffer auf Rumpf oder Kopf, oder aber auf 3 Extremitätentreffer gefochten. Jeder Fechter entscheidet am Schluss für sich selbst, ob er den Platz siegreich, leicht verletzt oder gar nicht verlassen hätte.

Ablauf
Jedem Gefecht gehen individuelle Vereinbarungen voraus: Darf mit der linken Hand pariert werden? Sind auch Hiebe erlaubt? Sind diese Fragen geklärt und alle Parteien auf ihren Positionen, beginnt das Gefecht mit einem Gruß an Obmann und Sekundanten. Anschließend bekommen die Fechter ihre Masken von den Sekundanten gereicht und der Obmann gibt das Kommando zum Start. Gefochten wird nun, bis ein Fechter der Meinung ist, getroffen worden zu sein. Er hebt die unbewaffnete Hand, sagt gut hörbar "Treffer" oder "Touché" an und deutet auf die getroffene Stelle. Ist der Treffer gefechtsbeendend, werden Gegner, Sekundanten und Obmann erneut gegrüßt und dem Gegner die Hand gereicht - das Gefecht ist damit vorbei. Ansonsten begeben sich die Fechter zurück in die Ausgangsposition und das Gefecht beginnt erneut. Ein Zeitlimit für den Zweikampf gibt es nicht.

Sportfechten

Der Sportfechter versucht, in einer festgelegten Zeit eine festgelegte Anzahl an Treffern zu geben, möglichst ohne dabei selbst getroffen zu werden. Gefochten wird mit elektronischem Equipment, nur dort registrierte Treffer zählen. Was folgt ist ein Auszug aus dem offiziellen FIE-Reglement.

Degen
Der Degen ist eine reine Stoßwaffe, gezählt werden Treffer, die mit mind. 750g Druck auftreffen. Die Trefffläche ist dabei der gesamte Körper. Als Doppeltreffer zählen solche, die innerhalb von 40 ms aufkommen - bei ihnen bekommen beide Fechter einen Punkt. Um das zu vermeiden, wird im Degen meist vorsichtiger und mit mehr Deckung gefochten als im Florett.

Florett
Das Florett ist eine reine Stoßwaffe, gezählt werden Treffer, die mit min. 500g Druck aufkommen. Die Trefffläche ist dabei der Rumpf ohne Kopf oder Extremitäten. Als Doppeltreffer zählen solche, die innerhalb von 300 ms aufkommen. Bei ihnen zählt nur der Treffer des Fechters mit dem Angriffsrecht. Das Angriffsrecht bekomm der zuerst angreifende Fechter zugesprochen, und es wechselt durch einen fehlgeschlagenen Angriff - z.B. weil dieser pariert wurde - den Fechter. Aus diesem Grunde wird im Florett sehr offensiv und dynamisch gefochten.

Fechtbahn
Die Fechtbahn ist 14 Meter lang und 1,5 Meter breit. Sie besitzt Markierungen für die Mitte, die Startpunkte und zwei Orientierungslinien am Ende der Bahn. Die Fechter sind über ein Kabel an den Enden der Bahn mit dem Meldegerät verbunden, das über Ton und farbige Lichter Treffer und beim Florett auch die Art des Treffers (gültig / ungültig) anzeigt. Wird ein Fechter nach hinten aus der Fechtbahn hinausgedrängt, zählt das als Treffer für seinen Gegner. Gegenüber dem Meldegerät steht der Obmann, der den Wettkampf leitet und für die Einhaltung der Regeln verantwortlich ist. Er bestimmt letztendlich, wann und an wen Punkte vergeben werden.

Moderner Wettkampf Sportfechten

Ablauf
Jedes Gefecht beginnt mit einem Gruß an Obmann und Zuschauer, anschließend gibt der Obmann das Kommando zum Start. Gefochten wird nun, bis der Obmann den Kampf mit "Halt" unterbricht. Ist ein gültiger Treffer gefallen, beginnt nun ein neuer Durchgang an der Startlinie. Bei einem ungültigen Treffer im Florett wird der Kampf an der unterbrochenen Stelle fortgesetzt. Zum Ende des Kampfes wird nochmals gegrüßt und dem Gegner die Hand gegeben.
Gefochten wird normalerweise zuerst in "Pools", das sind kleine Gruppen in denen jeder Fechter einmal gegen jeden anderen ficht. Jedes Gefecht geht dabei auf 5 Treffer bei maximal 3 Minuten Dauer. Nach jedem Durchgang steigen die besten Fechter auf, bis nur noch z.B. 64 Fechter übrig bleiben. Mit ihnen geht es nun in der Direktausscheidung weiter. Hier wird 3 mal 3 Minuten, mit jeweils einer Minute Pause, und auf insgesamt 15 Treffer gefochten. Die Verlierer scheiden direkt aus, die Gewinner fechten nun untereinander weiter, bis ein Sieger feststeht.