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Klassische Technik des Monats


 

Riposten Folge 1
ital.    la riposta
franz.    la riposte     

   
Die Riposte ist eine Angriffsaktion, die unmittelbar nach der Parade durchgeführt wird. Als Kontrariposten bezeichnet man Angriffsaktionen, die den Paraden folgen, durch welche die Riposten abgewehrt wurden. Kontrariposten sind wie Riposten zu behandeln.

Die Riposten werden in die selben Blößen geführt wie die Angriffe aus der Bindung.

Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Riposte schafft nur eine genaue, feste und im richtigen Augenblick genommene Parade. Deswegen - mit Ausnahme der ersten Paradeversuche - bilden Parade und Riposte eine feste Einheit.

Man darf niemals ripostiren, ohne zuvor parirt zu haben, sonst würde man den Fehler machen, anstatt zu pariren, mit dem Gegner zugleich zu stoßen. Damit würde man die eigene Sicherheit außer Acht lassen und sich selbst der gegnerischen Klinge entgegen stürzen.


Die direkten Riposten:
sind solche, bei denen die Spitze auf dem kürzesten Weg in die nächstliegende geöffnete Blöße geführt wird. Diese Riposten sollte man durchführen, bevor der Gegner die Möglichkeit hat, nach seinem abgewehrten Angriff sich wieder zu sammeln, d.h., bevor er im Ausfall voll auf beiden Füßen steht. Forderung: die Riposte so schnell wie möglich durchführen. Die direkten Riposten werden meist ohne Klingenkontakt durchgeführt, man verlässt die gegn. Klinge; deswegen nennt man diese Riposten "freie Riposten"; freie Stöße bzw. flüchtige Stöße.

Wichtig: grundsätzlich gibt es keine Riposten mit angezogenem Arm (Beine sind schneller als der Waffenarm)! Insbesondere, wenn zur Riposte der Ausfall genommen wird, ist darauf zu achten, daß zuvor der Arm  gestreckt wird. Nur so kann eine Umgehungsriposte erfolgreich gesetzt werden.


Die indirekten Riposten
Indirekte Riposten gehen in eine andere als die nächstliegende freie Blöße bzw. die durch Parade geöffnete Blöße. Die gegnerische Parade wird dabei umgangen.

1. Umgehung, wenn der Gegner eine Parade nimmt (fälschlich oft als Fintriposte bezeichnet)
2. Kreisstoß, wenn der Gegner eine Kreisparade (Wechselparade) nimmt.
3. Coupé, wenn man die gegn. Waffe um ihre Spitze umgeht. Ob der Gegner eine direkte- oder Kreisparade nimmt, ist dabei unwesentlich.


zu 1: Die Umgehungsriposte (indirekte Riposte)
ital.    la riposta di cavazione
franz.    la riposte par le dégagement

Um eine Umgehungsriposte erfolgreich einsetzen zu können, muß man die selben Grundsätze wie bei den Umgehungsangriffen einhalten. Sie sind jedoch schwieriger anzuwenden, weil man zum Einen warten muß, bis der Gegner in die Parade geht und zum Anderen, weil Riposten überwiegend in der nahen oder sogar engen Mensur angewendet werden.
Im Allgemeinen eignet sich die Umgehungsriposte dazu, nach einer Druckparade als verzögerte Riposte genommen zu werden. Eine Umgehungsparade ist leichter auszuführen, wenn der Angreifer schnell aus dem Ausfall zurückgeht. Je enger die Mensur, um so schwieriger!

Kontrariposten aus dem Ausfall als Umgehung durchzuführen, lohnt den Übungsaufwand nicht - viel zu schwierig und im heutigen schnellen Fechten mit leichten Waffen nicht wirklich wettkampftauglich. Beim klassischen Fechten (Hofdegen usw.) sollte die Übung aber erfolgen.

Typische Umgehungs-Riposte-Übungen:


Übung 1
A: Angriff aus mittlerer Mensur nach Brust oben innen
B: Quart-Druckparade mit Schritt zurück, verzögerter Stoß*  (Finte) nach Brust oben innen
A: Quartparade
B: Umgehung und Ausfall zur Brust oben außen, ggf. in die Flanke


Übung 2
A: Angriff aus mittlerer Mensur nach Brust oben außen
B: Terz/Sixt Druckparade mit Schritt zurück, verzögerter Stoß*  (Finte) in die Flanke
A: Secondparade
B: Umgehung und Stoß mit Ausfall zur Brust oben außen

* man beginnt mit dem Scheinstoß in dem Augenblick, in dem der Gegner sich aus dem von uns parirten Ausfall in seine Fechtstellung zurück zieht.

Zitat des Monats:
              - Steht man einem stärkeren Gegner gegenüber, so studiere man dessen Kunst und suche recht viel von ihm zu lernen, statt etwa aus Eitelkeit nur darnach zu trachten, dass man sein Klingenspiel störe, um so seine eigenen Mängel zu verbergen. L. Barbasetti, um 1895

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Folge 2
Die Gleitstoßriposte 
ital.    la riposta di filo
franz.    la riposte opposée

Die Filoriposte ist neben der freien direkten Riposte die am häufigsten durchgeführte Riposte. Sie kann im Stand und mit Ausfall durchgeführt werden. Für alle Filoriposten gilt: zuerst sauber parieren, dann den Angriff durchführen. Zu empfehlen ist es auch, die Filoriposte mit Schritt vor zu nehmen, da sie somit weitere Aktionen des Gegner behindert.


Übungen

B: gibt Blöße zur Brust inwendig
A: Stoß mit Ausfall
B: Quartparade mit verzögerter Gleitstoßriposte und Schritt vor

B: gibt Blöße zur Brust auswendig
A: Stoß mit Ausfall
B: Kreisterz/Kreissixtparade mit Schritt rückwärts und direkter Gleitstoßriposte auf die Maske 

A: gibt Blöße zur Brust auswendig
B: Stoß mit Ausfall
A: Secondparade mit Schritt rückwärts und sofortiger Gleitstoßriposte aus der Fechtstellung


Die Coupériposte
franz.    la riposte par coupé
ital.    la risposta di cavatione volante, di coupé

Die Coupériposte bietet in der nahen und engen Mensur viele Vorteile, besonders dann, wenn man sie als Kontraariposte im Ausfall oder als Riposte/Kontrariposte gegen einen Angreifer anwendet, der im Ausfall liegen bleibt und so im "Körper an Körper" die Rettung sucht.

Die Coupériposte unterscheidet sich ganz wesentlich von dem Coupé, welches man im Angriff verwendet. Die Bewegung ist viel größer, die eigene Klinge muß bei ihrem Weg um die gegnerische Spitze weit zurückgeführt werden. Die Coupériposten werden nach Druck- bzw. Glockenparaden ausgeführt. Man wartet, bis sich der Gegner von seinem mißglückten Angriff in die Abwehr zurückzieht.


Coupé-Riposte nach der Quartparade

Die Riposte wird in die obere äußere Blöße oder in die Flanke geführt. Die Coupériposte "oben" soll man dann machen, wenn man fühlt, das der Gegner in die Parade geht, er die Spitze hebt. Drückt er gegen unsere eigene Quartparade und befindet sich die gegnerische Spitze an unserem Körper vorbei, führt man die Coupériposte in die Flanke. Dabei ist es ratsam, das Ausfallbein nach hinten zu setzen, damit mehr Platz bleibt, die gegnerische Klinge zu beseitigen. Diese Riposte in die Flanke ist mehr als gewöhnungsbedürftig.

Coupé-Riposte nach der Sixtparade
Diese Riposte ist besonders im Kampf gegen Linkshänder zu empfehlen. Dann wird die Spitze auf den Oberarm und Rücken geführt.

Coupé-Riposte nach der Terzparade
wie bei der Sixtparade. Während des Armanziehens wird die Faust in die Supination gedreht.

Coupé-Riposte nach der Secondparade
Die Riposte ist äußerst wirksam, sollte jedoch nur dann ausgeführt werden, wenn sich die gegnerische Spitze hinter unserem Rücken befindet. Der Stoß wird in Pronation durchgeführt.
Befindet sich die gegnerische Spitze vor unserem Körper, wird mit dem Zurückziehen der Hand gleichzeitig das Standbein nach vorne gebracht, damit die Trefffläche entzogen wird.


Coupé-Riposte nach der Mezzocerchioparade
Nach der Parade wird beim zurückziehen der Faust diese in die Pronation gebracht. Der Stoß selbst geht in die unteren Blößen.

Coupé-Riposte nach der Primparade
Diese Riposte kann auch sehr gut gegen Linkshänder eingesetzt werden.
Nach der Parade schwingt die Klinge durch die Bewegung des Unterarmes nach hinten. Auf die selbe Bewegung geht sie zum Gegner zurück. Beim Rechtshänder in die Flanke, auf die Brust beim Linkshänder.


Die Übertragungsriposte
franz.    la riposte par liement
ital.    il transporto in ..... e riposta

Übertragungsriposten brauchen Raum! Sie sollen demnach nur angewendet werden, wenn "Platz" für einen Ausfall vorhanden ist. Für den Kampf mit Linkshändern bzw. andersarmigen Fechten sind sie nur bedingt geeignet.


Grundsätzliche, allgemeine Merkmale:
1. die Bewegung zur gegnerischen Blöße muß gleichzeitig mit der Spitze und mit der Faust begonnen werden. Geht die Faust zu früh in Opposition, verliert die Spitze die Führung und die Klinge die Herrschaft über die gegnerische.

2. die seitliche Bewegung der Faust muß begrenzt werden, sonst kann man die Spitze nicht richtig führen.

3. man darf den Arm nicht vorzeitig strecken; dadurch verliert man an der Beherrschung der gegnerischen Klinge - der Gegner kann sich leicht befreien.



 

Siegfried Raczka

Die klassische Technik des Monats wird präsentiert
     von unserem Fechtmeister Siegfried Raczka.

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