Klassische Technik des Monats

Riposten - Folge 1, Folge 2 gibt es nächsten Monat
ital.    la riposta
franz.    la riposte

        
Die Riposte ist eine Angriffsaktion, die unmittelbar nach der Parade durchgeführt wird. Als Kontrariposten bezeichnet man Angriffsaktionen, die den Paraden folgen, durch welche die Riposten abgewehrt wurden. Kontrariposten sind wie Riposten zu behandeln.

Die Riposten werden in die selben Blößen geführt wie die Angriffe aus der Bindung.

Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Riposte schafft nur eine genaue, feste und im richtigen Augenblick genommene Parade. Deswegen - mit Ausnahme der ersten Paradeversuche - bilden Parade und Riposte eine feste Einheit.

Man darf niemals ripostiren, ohne zuvor parirt zu haben, sonst würde man den Fehler machen, anstatt zu pariren, mit dem Gegner zugleich zu stoßen. Damit würde man die eigene Sicherheit außer Acht lassen und sich selbst der gegnerischen Klinge entgegen stürzen.

Siegfried Raczka

Die klassische Technik des Monats wird präsentiert
     von unserem Fechtmeister Siegfried Raczka.

Die direkten Riposten:
sind solche, bei denen die Spitze auf dem kürzesten Weg in die nächstliegende geöffnete Blöße geführt wird. Diese Riposten sollte man durchführen, bevor der Gegner die Möglichkeit hat, nach seinem abgewehrten Angriff sich wieder zu sammeln, d.h., bevor er im Ausfall voll auf beiden Füßen steht. Forderung: die Riposte so schnell wie möglich durchführen. Die direkten Riposten werden meist ohne Klingenkontakt durchgeführt, man verlässt die gegn. Klinge; deswegen nennt man diese Riposten "freie Riposten"; freie Stöße bzw. flüchtige Stöße.

Wichtig: grundsätzlich gibt es keine Riposten mit angezogenem Arm (Beine sind schneller als der Waffenarm)! Insbesondere, wenn zur Riposte der Ausfall genommen wird, ist darauf zu achten, daß zuvor der Arm  gestreckt wird. Nur so kann eine Umgehungsriposte erfolgreich gesetzt werden.

Die indirekten Riposten
Indirekte Riposten gehen in eine andere als die nächstliegende freie Blöße bzw. die durch Parade geöffnete Blöße. Die gegnerische Parade wird dabei umgangen.

1. Umgehung, wenn der Gegner eine Parade nimmt (fälschlich oft als Fintriposte bezeichnet)
2. Kreisstoß, wenn der Gegner eine Kreisparade (Wechselparade) nimmt.
3. Coupé, wenn man die gegn. Waffe um ihre Spitze umgeht. Ob der Gegner eine direkte- oder Kreisparade nimmt, ist dabei unwesentlich.

zu 1: Die Umgehungsriposte (indirekte Riposte)
ital.    la riposta di cavazione
franz.    la riposte par le dégagement

Um eine Umgehungsriposte erfolgreich einsetzen zu können, muß man die selben Grundsätze wie bei den Umgehungsangriffen einhalten. Sie sind jedoch schwieriger anzuwenden, weil man zum Einen warten muß, bis der Gegner in die Parade geht und zum Anderen, weil Riposten überwiegend in der nahen oder sogar engen Mensur angewendet werden.
Im Allgemeinen eignet sich die Umgehungsriposte dazu, nach einer Druckparade als verzögerte Riposte genommen zu werden. Eine Umgehungsparade ist leichter auszuführen, wenn der Angreifer schnell aus dem Ausfall zurückgeht. Je enger die Mensur, um so schwieriger!

Kontrariposten aus dem Ausfall als Umgehung durchzuführen, lohnt den Übungsaufwand nicht - viel zu schwierig und im heutigen schnellen Fechten mit leichten Waffen nicht wirklich wettkampftauglich. Beim klassischen Fechten (Hofdegen usw.) sollte die Übung aber erfolgen.

Typische Umgehungs-Riposte-Übungen:

Übung 1
A: Angriff aus mittlerer Mensur nach Brust oben innen
B: Quart-Druckparade mit Schritt zurück, verzögerter Stoß*  (Finte) nach Brust oben innen
A: Quartparade
B: Umgehung und Ausfall zur Brust oben außen, ggf. in die Flanke

Übung 2
A: Angriff aus mittlerer Mensur nach Brust oben außen
B: Terz/Sixt Druckparade mit Schritt zurück, verzögerter Stoß*  (Finte) in die Flanke
A: Secondparade
B: Umgehung und Stoß mit Ausfall zur Brust oben außen

* man beginnt mit dem Scheinstoß in dem Augenblick, in dem der Gegner sich aus dem von uns parirten Ausfall in seine Fechtstellung zurück zieht.

Zitat des Monats:
             - Steht man einem stärkeren Gegner gegenüber, so studiere man dessen Kunst und suche recht viel von ihm zu lernen, statt etwa aus Eitelkeit nur darnach zu trachten, dass man sein Klingenspiel störe, um so seine eigenen Mängel zu verbergen. L. Barbasetti, um 1895