Klassische Technik des Monats

KREISÜBERTRAGUNGSSTOSS
franz.     l`enveloppement
ital.     il riporto


Bei den Kreisübertragungen, die theoretisch aus allen Bindungen möglich sind, wird die gegnerische Klinge mit einer Bindung (auch Kreisbindung möglich) erfaßt, in einem Kreis (eher einer Ellipse), den die eigene Spitze beschreibt, wieder in die ursprüngliche Linie gebracht und mit gleichzeitigem Ausfall der Arm gestreckt.

Die Kreisübertragung kann man nur bei Gegnern anwenden, die ihren Arm fest und gestreckt halten, in keinem Falle gegen Fechter, die sich sofort aus einer Bindung lösen.

Die Kreisübertragungen werden nach den Bindungen benannt, aus denen sie begonnen wurden. Die Spitze muß bei der Kreisübertragung einen großen "Kreis" - wenn möglich, einer Ellipse - beschreiben. Dies ist nötig, um die gegnerische Klinge fest an die eigene Glocke zu "fesseln".

Im Unterschied zu den Übertragungen (Transporti) behält die Faust i.d.R. ihre Ausgangsposition. Die ganze Bewegung wird - ohne Unterbrechung - in einem Tempo durchgeführt.     
Ein     il riporto      besteht keinesfalls aus zwei hintereinander durchgeführten Übertragungen.

Siegfried Raczka

Die klassische Technik des Monats wird präsentiert
     von unserem Fechtmeister Siegfried Raczka.

Der Waffenarm streckt sich erst im letzten Viertel des von der Spitze beschriebenen Kreises bzw. der Ellipse; in diesem Augenblicke wird auch der Ausfall begonnen. Speziell nach ital. Schule soll die gegnerische Waffe wieder in die ursprüngliche Bindung gebracht werden und die Aktion wird als Filo (Gleitstoß, fester Stoß) fortgesetzt. Sollte die Kreisübertragung in Supination begonnen werden, muß diese Fausthaltung über die gesamte Aktion beibehalten werden. Bei Kreisübertragungen aus der Pronationsbindung ist es manchmal von Vorteil, die Faust in die Supination zu drehen - z.B. il riporto aus der Terzbindung. Bei einer Kreisübertragung aus der Secondbindung ist es besser, in Pronation zu bleiben. Es empfiehlt sich, eine Kreisübertragung immer mit Ausfall durchzuführen. In der Durchführung mit Schritt vor und Ausfall muß die Kreisübertragung mindestens zu drei Viertel fertig werden, bevor man den vorderen Fuß in den Ausfall abhebt. Wichtig ist es, dass zuerst die Bindung genommen wird, dann erst kann man mit der Übertragung beginnen.

Fehler, die oft vorkommen:

1. die Spitze beschreibt einen zu kleinen Kreis, eine zu kleine Ellipse
2. der Arm streckt sich vorzeitig,
3. der Ausfall beginnt zu früh
4. vor dem Armstrecken wird die Bewegung unterbrochen


Übungsbeispiele:

1. Terzriporto
aus Quartstellung (inwendig) mit Terz die gegnerische Klingenschwäche binden und eine große Ellipse - horizontal - machen. So kommt man wieder in die Terzstellung zurück; Armstrecken und ausfallen, der Endstoß kann als hoher oder tiefer Terzstoß oder als Sixtgleitstoß gesetzt werden. Die gesamte Aktion hat nur 1 Tempo! Obige Hinweise beachten.

2. Quartriporto
aus der Terzstellung mit Quart inwendig binden und eine große Elypse machen. So kommt mann wieder in die Quartbindung zurück. Der Endstoß erfolgt als fester hoher Quartstoß in die gegnerische Brust oben außen. Obige Hinweise beachten.

Ein "il riporto" soll primär den Gegner verwirren, täuschen. Darauf beruht auch der Erfolg der Aktion.

im September folgen: Primriporto und Secondriporto

Zitat des Monats:
Ein Gefecht soll das Bild eines Kampfes darstellen, bei welchem beide Gegner zwar mit äußerster geistiger und körperlicher Anspannung um den Sieg ringen, bei dem aber gleichwohl durch die Harmonie und Schönheit der Bewegungen der Zuschauer ein ästhetisches Wohlgefühl empfinden muß.

W. Meienreis, Leipzig