Ein DIY Fechtdummy

Aktualisiert: Mai 1


Der Fecht-Dummy von Vorne.

Kennt ihr das? Diesen plötzlichen Motivationsschub, jetzt sofort einen Degen oder ein Florett in die Hand zu nehmen, und zu fechten! Oder gar nicht notwendigerweise zu fechten, aber zu trainieren. Besser zu werden. An dieser einen Technik zu feilen, die uns im Training immer wieder über den Weg läuft, und die sich einfach nicht ergonomisch anfühlen möchte. Oder diese Geschwindigkeit entwickeln, die wir bei unserem letzten Gegner am Tag der Fechtkunst so bewundert haben. Das Problem bei dieser Motivation ist, dass sie meist nach der eigenen Haustür wieder endet. Denn mit maximal einem Stoßkissen sind wir ziemlich beschränkt... auf Beinarbeit und Ausfälle.

Für Battuten brauche ich eine gegnerische Waffe.

Für Gleitstöße ebenfalls...

Umgehungen? Fehlanzeige.

Aber Übertragungen... Moment...


Die Lösung lautet: Ein Fechtdummy muss her! Dieser mechanische Geselle hat das, was der Partner oder die Partnerin daheim selten hat - die Geduld, für eine halbe oder sogar eine ganze Stunde die Fechtwaffe zu halten. Aber auch im Sportverein selbst ist er unglaublich praktisch für Stoßübungen mit besonderem Fokus. Eine Anleitung für einen solchen Dummy findet ihr in diesem Blogeintrag.


Brauche ich überhaupt einen kompletten Dummy?

Nicht unbedingt. Natürlich ist so ein Dummy ein Stück Arbeit, und wer wenig Werkzeug zur Holzbearbeitung daheim hat, der tut sich auch mit dem besten Bauplan schwer. Eine Alternative ist ein auf ein Brett installierter Waffenarm, wobei das Brett an die Wand montiert wird. Damit lassen sich 95% der Übungen, die ich mit dem Dummy machen kann, ohne großen handwerklichen Aufwand ebenfalls durchführen. Für euch ist in diesem Blogeintrag die Empfehlung des Fechtarms am interessantesten.


Der Dummy hat allerdings einen entscheidenden Vorteil: Er ist mobil(er). Ein Brett für Stoßübungen an der Wand in der Wohnung zu installieren ist nicht immer möglich. Es könnten Mieter unter einem wohnen, die sich bedanken, wenn wir anfangen, über ihnen Ausfälle zu üben. Auch Mieter über uns sind je nach Geräuschdämmung nicht immer über ständiges Waffenklirren begeistert. Und ob man in die Betonwand in der Garage wirklich 2-4 Löcher bohren will? Was ist, wenn ich im Sommer draußen oder eben in der Garage trainieren möchte, aber im Winter zumindest für leichte Übungen den Dummy gerne in der Wohnung hätte? In dem Fall lohnt sich der Mehraufwand für einen echten Dummy.


An's Zeichenbrett

Detail-Aufnahme des mechanischen Fechtarms.
Ein guter Fechtarm ist die halbe Miete!

Der Kern des Dummys ist der Fechtarm. Der unterscheidet die Konstruktion vom normalen Stoßkissen. Tatsächlich machen sich mechanische Fechtarme auf dem Markt rar - wer die Kosten von etwa 500€ nicht scheute, fand etwas angeboten, aber ob's diesen Preis wert ist...? Die Alternative ist immer ein Fechtarm aus Holz. Der ist ohne Frage die günstigste Alternative, bietet aber auch die wenigsten Optionen. Ein Einstellen des Fechtarms (obere Linie, untere Linie, gestreckt, angewinkelt, in Parade-Stellung) ist nicht ohne weiteres möglich. Nach einigem Suchen bin ich auf den Fechtarm der US-Waffenschmiede The Armorer's Store gestoßen. Der ist nicht nur wesentlich günstiger, sondern auch recht clever entworfen. Das Produktbild selbst ist alt, der aktuelle Arm ist eine neuere Generation. Er lässt sich leicht in alle gewünschten Positionen einstellen und hat eine Feder am Handgelenk, das ein Nachgeben der Waffe simuliert. Eine Besonderheit ist allerdings die Konstruktion des Oberarms: Lässt man die zwei "Knochen" des Oberarms locker, können sie sich gegeneinander drehen - blockieren aber nach kurzer Zeit selbst diese Bewegung. Das bedeutet, dass der Arm bei einer Beseitigung der Klinge permanent nachgibt: Nicht zu viel, und nicht zu wenig. Dadurch ist das Verhalten der Klinge realistischer, und schwächt das Problem bei anderen Fechtarmen ab, die stur gegen die selbst ausgeübte Kraft zurück-drücken und sich dadurch anders verhalten als ein echter Gegner. Ich bin mit dem Fechtarm sehr zufrieden und kann ihn nur weiterempfehlen. Der Händler sendet auch nach Deutschland, muss dazu aber manuell angeschrieben werden, da er hier höhere Portokosten berechnen muss.


Ein Bauhaus-Wagen mit Holzbalken darauf.

Ist der Arm da, geht's in den Baumarkt. Die Menge der Materialien ist überschaubar, zumindest wenn das notwendige Werkzeug schon vorhanden ist. An Materialkosten entstehen für den kompletten Dummy (ohne Stoßkissen, Dummy-Waffe und optionale Maske, dafür inkl. Fechtarm mit Porto) etwa 150€. Die Konstruktion ist so entworfen, dass sie gegen eine Wand lehnt - auch die Zierleiste am Boden wurde dabei einberechnet. Die Bodenplatte ist recht breit, das gibt dem Dummy Halt und sie kann im Zweifelsfall noch mit Gewichten fixiert werden. Die Stütze ist so konzipiert, dass sie ein Ausfallbein darstellt. Dieses kann gepolstert und ebenfalls als Trefffläche benutzt werden. Schließlich wird die Platte mit dem Stoßkissen hinten durch zwei an der Wand anliegende Balken verstärkt, die ebenfalls gepolstert werden können und so die Wand dahinter schonen.


Den kompletten Bauplan gibt's hier:

Dummy-Bauplan
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Mit dem Dummy hat man alles, was man für ein effizientes Training benötigt, daheim. Vorschläge und Tipps zum trainieren in den eigenen vier Wänden gibt's im nächsten Blog-Post.


Der fertige Fecht-Dummy aus der Perspektive des Fechters.
Let the games begin…

Vielen Dank - wir freuen uns über Dein Interesse!